Max Liebermann

(1847 - 1935)
Zwei Reiter in der Allee bei Sakrow, 1924
Zwei Reiter in der Allee bei Sakrow, 1924
Unten rechts signiert und datiert: MLiebermann 1924
Öl auf Leinwand
95,7 x 114,8 cm

Provenance:

Max Liebermann.
Paul Cassierer, Berlin 1924.
A. Tietz, Köln, 1925. Privatsammlung, Deutschland. Privatsammlung, Schweiz.

Exhibitions:

Museum Oskar Reinhart, Winterthur “Max Liebermann und die Schweiz” 04. Juli – 19. Oktober 2014

Literature:

Eberle, Matthias. Max Liebermann, Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, München, 1996, Bd. II, Nr. 1924/39, Abb. S. 1122

Für das Museum Oskar Reinhart, Winterthur herausgegeben von Marc Fehlmann
Max Liebermann und die Schweiz Meisterwerke aus Schweizer Sammlungen Seite 216-217 Nr. 69 (farb. Abb.)

Max Liebermann malt “Reiter in der Allee bei Sakrow” 1924. Innerhalb der Landschaftsdarstellungen Liebermanns nimmt die Allee als Motiv eine besondere Stellung ein. Kaum ein anderer Künstler wendet sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit solchem Nachdruck diesem Thema zu. Besonders die Allee in Sakrow bei Potsdam hält Liebermann in seinen reiferen Jahren in mehreren Pastellen, Kohlezeichnungen und Gemälden fest.

In diesem beispielhaften Werk seiner reifen Schaffensphase verdichtet Liebermann Licht, Schatten, Lichtreflexe und die farbliche Atmosphäre zu einer vibrierenden Komposition und steigert das Motiv der Allee ins Erhabene, ja beinahe Sakrale. In ihrer Anordnung und ihrer imposanten Höhe erinnern die Bäume bisweilen an die Wände gotischer Kathedralen. Nur hier und da lassen die dichten Baumkronen die Sonnenstrahlen durchscheinen. Unterstützt von dem saftigen Grün verleiht die perspektivisch fluchtende Allee dem Gemälde Tiefe. Die beiden Reiter, die sich auf dieser Allee bewegen, erscheinen beinahe als Detail. Tatsächlich dienen sie hier nicht der Proportionsangabe, sondern setzen den entscheidenden Akzent.

Der Schlosspark von Sacrow ist heute der nördlichste Punkt der Kulturlandschaft Berlin-Potsdam. Schloss Sacrow, samt Parkanlage, wurde 1773 als barockes Herrenhaus errichtet und ging 1840 in den Besitz von König Friedrich Wilhelm IV. über. Dieser beauftragte nach seiner Thronbesteigung Peter Joseph Lenné (1789 -1866) mit der Umgestaltung der Anlage und erweiterte sie nach Norden. Heute misst der Schlosspark von Sacrow 26 Hektar.

Liebermanns bereits in jungen Jahren entfachte Begeisterung für Park- und Waldwege sollte auch in seinem reifen Werk fortdauern. Als sich der Künstler in späteren Jahren auf seinen Landsitz am Wannsee zurückzieht, konzentriert er sich zwar vornehmlich auf die Portraitmalerei und die Darstellung von Gartenansichten, kann sich jedoch dem Zauber der Alleen und Parkansichten rund um sein Rückzugsgebiet nicht entziehen. So regen ihn die Alleen des Tiergartens und, vor allen Dingen sein Garten, zu immer neuen Bildvariationen an. Die Allee in Sakrow gehört aber zweifellos zu seinen Lieblingsmotiven.

Inv.Nr. 1231